Hallo ihr Lieben zuhause,
Heute habe ich Santiago erlaufen. Von 7 h bis 16 h war ich auf den Beinen. Dann bin ich in mein Zimmer, mit einer Flasche Wasser und einer Flasche Bier im Arm. Santiago macht foehlich und durstig.
Durstig, weil man beim Laufen im strahlenden Sonnenschein bei 30 Grasd einfachschwitzt, auch wenn man Schatten sucht.
Aber zum froehlich sein gibt es mehrere Gruende:
Die Stadt ist sehr lebendig. Ab 6 h kommt die Muellabfuhr und uebernimmt das Werk der Strassenfeger (waers doch in Deutschland auch so sauber!). Ab 7 sind die Lieferanten fuer die hunderten von von Imbiss- Lebensmittel- Klamotten und sonstigen Laeden mit Lieferwagen und Sackkarren unterwegs, ihnen folgen von 8-9h die angestellten Maenner in noblem schwarz und huebsche, gepflegte Damen im Business-Look - die ersteren lassen sich noch fuer 300 Peso - 50 cent- die Schuhe auf Hochglanz bringen.

Am Palst der Republik zieht die Garde in Maerchenuniform mit hochglaenzenden Stiefeln auf, und Damen von jungem bis jugendfreiem Alter lassen sich spaeter vom Liebhaber oder Ehemann mit den huebschen Gardesoldaten ablichten - welch ein Frust fuer die Fotografen.
Zwischen 9 und 10 h werden die Fussgaenerzonen mit dem Mop gewaschen - purer Luxus !
In den Parks- in der City gibt es viele, wird die Tageszeitung gelesen.
Dann, um 10 h istr die beschauliche Ruhe zu Ende. Rolltore rattern, die Innenstadt wird zum riesigen Laden.Bebidas und Cocadillos suchen Hungrige, Apotheken und Minibaumaerkte konkurieren mit Jeans und Accessoires, Schmuck, bunten Baendern, Obst und vor allem Banken.
Eine Stadt, die sich so viele Banker leisten kann, muss sehr reich oder sehr arm sein, in Santiago ist alles da, - auch die alte Kathedrale, das Museum Bellas Artes, ein Museum mit der Geschichte der Stadt seit der Mitte des 16. JH., und ein archaeologisches Museum mit Fruehkulturen.
Auch Ansehen macht Apetit, im Mercato Central gibt es fast alle Muscheln, Krebse und Fische, die an Chiles Kueste gefischt werden, und die Kueste ist lang. Zwischen 2 und 6 euro pro Kilo kann man fast alles bekommen, was das Meer hergibt - ein Paradies (noch), denn auch in Chile gibt es viele junge Menschen
mit viel Hunger.

Ich habe 4 Euro fuer eine Portion Venusmuscheln - hier Almejas- incl. Wein genossen, das waren bestimmt 3 Dutzend, roh im Saft mit Zitrone, davon kann man in Europa nur traeumen.

Moses haette gesagt: hier ist es schoen, hier lasst uns bleiben.
Kurzes Fazit: Santiago ist ganz anders, eine Stadt mit langer, vor allem auch spanischer Tradition - im Gegensatz zu Nordamerika, das viel juenger und vor allem englisch gepraegt ist. Die stadt ist bunt, reich und arm, gruen und warm, fruchtbar, gepflegt, teils zerfallen und vergaenglich, aber wieder jung und lebendig. Und voll froehlicher Menschen.
Ich gruesse euch und denk an euch alle
Gerhart